Das geistige Oberhaupt der Tibeter wird 80

Er ist der Mann, der Harmonie und Frieden symbolisiert. „Was wir heutzutage wirklich brauchen, ist ein Gefühl der Einheit aller sieben Milliarden Menschen.“ Das ist seine Lebensaufgabe: Harmonie stiften. Nun wird der Mann des Friedens 80 Jahre alt – am 21. Juni nach tibetischem und am 6. Juli nach unserem gregorianischen Kalender. Seit Jahrzehnten kämpft der Dalai Lama gewaltlos für die Freiheit des tibetischen Volkes. Längst ist er mehr als ein Sinnbild des gewaltlosen Widerstandes seines Volkes gegen die chinesische Besatzung. Er ist zu einem globalen Symbol für Frieden und Gewaltlosigkeit geworden. Der Friedensnobelpreisträger nimmt sich der grossen Themen unserer Zeit an: Religionskonflikte, Klimawandel, Flüchtlingspolitik, Wirtschaftskrise, Armutsbekämpfung, Sinnsuche und Wissenschaft. Worum es auch immer geht, immer wieder ruft er seinen Mitmenschen zu: „Zeigt Mitgefühl, Liebe, Toleranz und Vergebung!“ So wurde er weltweit zu einem der beliebtesten Menschen unserer Zeit. Die Weltöffentlichkeit sieht auf die Gräueltaten des Islamischen Staates in Syrien und Irak, die Kämpfe in der Ostukraine oder die zahlreichen Anschläge in Afghanistan. Im Schatten dieser blutigen Auseinandersetzungen scheint ein jahrelanger Konflikt fast in Vergessenheit zu geraten. Dabei hat er sich gerade in den vergangenen Monaten zugespitzt: der verzweifelte Kampf der Tibeter um ihre Freiheit. Immer mehr Menschen sind bereit, sich selbst in Brand zu setzen, um gegen die Situation in Tibet zu protestieren. Angesichts dieser tragischen Ereignisse und des Leidens seines Volkes ist es äusserst bemerkenswert, wie der Dalai Lama unerschütterlich an einer gewaltfreien Lösung des Tibet-Problems durch Dialog festhält. Von einem Journalisten gefragt, ob er eines Tages in sein Land zurückkehren könne, entgegnete er: „Ja, ich bin davon fest überzeugt, dass sich China nicht länger abschotten kann. Es muss auf seinem Weg zu einer demokratischen Gesellschaft voranschreiten. Den Chinesen ist es nicht gelungen, unsere Kultur zu zerstören, die 3000 bis 4000 Jahre alt ist. Wer den Glauben und die Kultur Andersdenkender kritisiert, der macht sie nur stärker“.

Deshalb ist es entscheidend, dass die politische Arbeit für Tibet von der internationalen Gemeinschaft auf der ganzen Welt unbeirrt fortgeführt und konstanter Druck auf die chinesische Regierung ausgeübt wird. Er wolle bleiben, solange das Leid fühlender Wesen auf der Welt bleibe – wenn auch nicht im gleichen Körper, aber als der gleiche Geist, sagt der Dalai Lama. Laut seinen Ärzten, die seine körperliche Konstitution geprüft haben, werde er 100 Jahre alt, sagte er in einem Interview. „Laut meinen Träumen werde ich 113 Jahre alt. Aber 100 sind, glaube ich, sicher.“ In diesem Sinne wünschen wir seiner Heiligkeit dem Dalai Lama gute Gesundheit und ein langes Leben. Mögen all seine Wünsche erfüllt werden!