Missing the Tibetan Panchen Lama

Tibet is burning

Die derzeitige Lage in Tibet ist außerordentlich ernst und die Menschenrechtssituation verschlechtert sich von Tag zu Tag. Das TCHRD appelliert an den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, an die Regierungen in aller Welt, die internationalen Gremien und NGOs, in dieser ernsten Situation zu intervenieren und Druck auf die chinesische Regierung auszuüben, damit sie sofort ihre harte Politik gegenüber dem tibetischen Volk beendet. Wir fordern von China, die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, die willkürlichen Verhaftungen, die Folterungen, die unfairen Gerichtsverfahren und die patriotische Umerziehungskampagne sofort einzustellen.

Nonne des Klosters Puruna durch schwere Mißhandlungen hirngeschädigt
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2010/SonamChoedon_13.10.html

Tibetischer politischer Gefangener aus dem Kloster Ganden stirbt nach 15 Jahren Gefangenschaft
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2011/JampaPelsingDead.html

Tibetischer Mönch stirbt nach zehn Jahren im chinesischen Gefängnis
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/ctc/2011/YesheTenzin-NgoedupTinley.html

25jähriger tibetischer politischer Gefangener stirbt an den Folgen schwerer Mißhandlungen durch die Polizei
http://www.igfm-muenchen.de/tibet/TCHRD/2011/ThinleyDead_12.8r.html



Vor 60 Jahren marschierte die chinesische Armee in Tibet ein - wenige Jahre später floh der Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, ins Exil nach Indien. Seither ist Tibets Status international umstritten.

Im Oktober 1950 verbreitete sich Unsicherheit unter der tibetischen Bevölkerung. Über das Radio erfuhren sie, dass Truppen der chinesischen Volksbefreiungsarmee über den Yangtse-Fluss gesetzt und die Grenze zu Tibet überschritten hatten. Der Einmarsch hatte begonnen. Im Mai 1951 unterschrieb eine Gesandtschaft des Dalai Lamas unter großem chinesischem Druck das sogenannte 17-Punkte-Abkommen. Dieses Abkommen zwischen Lhasa und Peking gewährte den Tibetern die freie Ausübung der Religion und Autonomie. Gleichzeitig wurde Tibet per Vertrag zum Teil der Volksrepublik China. Damit war der Weg frei für den Einmarsch der Volksbefreiungsarmee in Lhasa am 9. September 1951.

"Als die Chinesen in Lhasa ankamen, war mein erster Eindruck: die sind ganz anders als ich gedacht habe - freundlich und hilfreich gegenüber der Bevölkerung", erinnert sich Jampa Kelsang Phukang. Damals war er sieben Jahre alt und Novize in einem buddhistischen Kloster.

Anfängliche Annäherung

Abschaffung des tibetischen Feudalsystems und Modernisierung, aber auch Wahrung der tibetischen Kultur - so lautete das in Peking ausgegebene Ziel des Einmarsches. Noch heute spricht die Kommunistische Partei Chinas offiziell von der 'friedlichen Befreiung Tibets'. In der ersten Phase habe es durchaus Annäherungen gegeben zwischen einzelnen Gruppierungen in Tibet und kommunistischen Vertretern, erklärt Nele Noesselt vom GIGA Institut für Asienforschung in Hamburg. "Allerdings gab es auch immer wieder Konflikte und Vorbehalte."

Mehrere Male reiste der noch junge Dalai Lama nach Peking. Dabei verhandelte er mit der chinesischen Führungsriege. Zugleich wurde ihm das Amt des Vizepräsidenten der Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes übertragen. China jedoch hielt sich nicht an die Autonomieversprechungen des 17-Punkte-Abkommens. 1959 kam es zu einem Aufstand der Tibeter gegen die immer mehr als Besatzer empfundenen Chinesen. Die Protestbewegung wurde blutig niedergeschlagen. Der Dalai Lama musste ins Exil nach Indien fliehen. Bis heute kämpft das geistliche Oberhaupt der Tibeter für die Rechte, die ihm und seinem Volk versprochen wurden.

Komplizierte Konstellation

Lange Zeit war der Dalai Lama sowohl geistliches als auch weltliches Oberhaupt der Tibeter. Doch in diesem Frühjahr zog er sich von der weltlichen Verantwortung zurück. Im April wurde Lobsang Sangay zum Premier der exil-tibetischen Regierung gewählt und übernahm die politischen Amtsgeschäfte.

Zwar ermöglichte dieser Schritt Klarheit über die politische Nachfolge des Dalai Lama. "Allerdings macht er den Umgang der internationalen Staatengemeinschaft mit der exil-tibetischen Regierung nicht einfacher, da wir jetzt verschiedene Oberhäupter haben - zum einen das politische und zum anderen das geistliche Oberhaupt der Tibeter", erklärt die Sinologin Noesselt. "Hinzu kommen die Vertreter der Autonomen Region Tibet, die wir getrennt voneinander betrachten müssen. So dass eigentlich hierdurch die Konstellationen komplizierter werden - aus westlicher Sicht betrachtet."

Eine Lösung der Tibetfrage ist in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Seit über 50 Jahren hat der 76-jährige Mönch seinen traditionellen Amtssitz - den Potala-Palast in Lhasa - nicht mehr betreten. Im indischen Exil in Dharamsala möchte sich der Dalai Lama fortan nur noch um religiöse Fragen kümmern. Und falls er irgendwann doch die Möglichkeit haben sollte, jemals nach Tibet zurückzukehren, dann möchte er die chinesische Gesellschaft buddhistische Barmherzigkeit und Harmonie lehren.