10.MÄRZ 2016 - TIBETS SCHREI NACH FREIHEIT.

AM 10. März rufen Jahr für Jahr alle Tibeter weltweit zur Solidarität auf. Überall in den Großstädten sieht man tibetische Fahnen, die Tibeter gehen für ihren Kampf um Freiheit auf die Straße.

AUCH IN BERN. AUCH IN BERLIN. WER KANN, SOLLTE SIE BEGLEITEN.

Bitte vergesst Tibet nicht, bitte vergesst die Freiheit dieser besonderen Menschen nicht, bitte vergesst nicht, mit dem Herzen zu handeln und zu denken – so wie die Tibeter.

 

Mein Name lautet Tenzin Namgyal, ich bin 23 Jahre alt und ein Tibeter. Aber ich könnte auch Damdrul Chogyal, Dechen, Sonam oder Gyaltso heißen, das sind nur Namen.

Ich liebe die Freiheit über alles, ich kämpfe dafür, und ich würde dafür sterben. Meine Kindheit verbrachte ich in Tibet. Aber meine Heimat Tibet ist nicht frei. China bestimmt was unsere Freiheit ist.

Wenn du als Tibeter frei sein willst, dann kommen die Chinesen, und holen dich. Sie bringen dich in ihre Kasernen, binden dich an einen Stuhl und lassen dich tagelang nicht schlafen. 

Solltest du doch einschlafen: elektrische Stäbe wecken dich sofort wieder auf.

Oder sie binden dich am heißen Kaminrohr fest und du wirst auf Metallbleche gelegt, darunter brennt Feuer. Diese Hitze spürt auch dein geschundener Körper. Es gibt keine Foltermethode, die nicht angewendet wird. Die Chinesen kennen nur Stärke.

Aber trotzdem haben sie es seit drei Generationen in meinem Land nicht geschafft, uns Tibeter auszulöschen. Sie arbeiten mit Gehirnwäsche oder mit der Zwangssterilisationen unserer Frauen, mit Folter und dem Tod. Sie wollen meine Landsleute für immer ausrotten. 

Die übrige Welt, hat die Augen zum Teil verschlossen, und Tibet für den eigenen Profit geopfert. Meine Heimat wurde für westliche Touristen zu einem spirituellen Disneyland umfunktioniert. 

Man liebt Tibet, uns Tibeter, die Kultur, die Mystik, die Medizin, den Dalai Lama, aber China ist die Zukunft. Wir haben keine Zukunft. Das macht mich sehr traurig. Wir Tibeter sind fröhliche, gastfreundliche, gläubige Menschen, wir lieben unser Land, den Dalai Lama, die Freiheit und das Leben.

Für diese Freiheit bin ich wochenlang unter unsagbaren Strapazen über den Himalaya nach Indien geflohen. Ich habe mein geliebtes Tibet, mein Heimatland, verlassen. 

Ich habe meine Eltern, meine Geschwister, meine Verwandten und Freunde für immer verloren, aber ich trage sie in meinem Herzen bei mir. Ich habe gelitten, gefroren, gehungert und geweint – in meinem Herzen.

Das Hochland von Tibet, das Licht, die Gräser, die Gerüche, der Wind und die Wolken, werde ich sie eines Tages wieder spüren, und wiedersehen? Ich weiß nicht, ich bin sehr traurig. Aber ich empfinde noch immer Hoffnung – und ich will kämpfen für unsere Freiheit.

Immer wieder höre ich aus meiner Heimat von Unterdrückung, Gräueltaten und Verfolgung meines Volkes durch die Chinesen. Meine Landsleute weinen, all die fröhlichen, freiheitsliebenden Tibeter, sind traurig geworden.

Was sollen wir nur tun?

Dann hörte ich von den Selbstverbrennungen junger Tibeter. Selbstverbrennung aus Verzweiflung, aus dem Gefühl heraus, frei sein zu können. 

Lieber sterben als vor China in die Knie zu gehen. Sie rufen aus den Flammen, um auf das Schicksal unseres Volkes aufmerksam zu machen. Über Jahrzehnte protestierten Tibeter auf den Straßen, saßen im Hungerstreik und baten die Welt um Hilfe. Jetzt sehen viele junge Tibeter keine andere Lösung mehr als sich selbst anzuzünden.

Und, ich erinnere mich, immer riefen meine sterbenden Landsleute, “beschützt unsere tibetische Sprache, Kultur und Religion – unsere Identität“. Lasst Tibet nicht sterben.

China siedelt inzwischen viele Chinesen nach Tibet um, und wir sind schon eine Minderheit geworden, in unserem eigenen Land. Tibeter müssen betteln, sich erniedrigen lassen, werden belächelt und misshandelt. Wir selbst zerreißen in unserer inneren Verzweiflung das Band unserer Familien, und bringen unsere Kinder unter unsagbaren Strapazen über den Himalaya nach Indien. Dafür werden wir von China gejagt, gefoltert und getötet.

Ich bin traurig, ich weine sehr in meinem Herzen. Es tut mit weh, so intensiv, das ich es bald nicht mehr ertragen kann. Mein stiller innerer Schrei hallt weit über das Hochland meines Landes. 

Aber niemand hört es, und sieht wie wir, wie ich innerlich leide. Ich bin so traurig, was soll ich tun?“


TENZIN NAMGYAL 23 Jahre alt, hat sich mit Benzin übergossen und selbst angezündet. Für Tibet, für sein Volk, für die Freiheit. Noch brennend, unter unsagbaren Schmerzen, hat er „Für die Freiheit – für das Herz Tibets“, gerufen.

Ein Ruf, den wir alle hören sollten, und wir sollten nicht für den Profit wegsehen, und damit unsere Freiheit opfern.

TENZIN DAMDRUL hat uns gezeigt, dass das Wichtigste und Wertvollste, was wir haben, unsere Freiheit ist. Er war bereit dafür zu sterben. 

Doch welchen Stellenwert hat die Freiheit in unserem Leben?

Man kann nicht Kulturen, Menschen und ihr geistiges Wissen für unseren egoistischen Profit sterben lassen, ohne dass wir nicht eines Tages den Preis dafür zahlen müssen. 

Alles Materielle kann man verlieren, wenn man aber die persönliche Freiheit verliert, dann kann die Seele zerbrechen.

Ich glaube, wir werden darüber eines Tages sehr, sehr traurig sein. 

10.MÄRZ 2016 FÜR DIE FREIHEIT TIBETS.